Eruptives Farbenspiel, dynamische Komposition – die großformatige Malerei Ji In Parks wirkt auf den Betrachter wie ein existentielles Urerlebnis. Die Artothek stellt Arbeiten des jungen, 1980 in Seoul geborenen Künstlers aus, der 2010 für sein Diplom mit dem Debütantenpreis der Akademie der Bildenden Künste München ausgezeichnet wurde.
Betrachtet man die neuen Arbeiten Ji In Parks, so fallen einem sofort die grundlegenden Aspekte seines Schaffensprozesses und der intensive Umgang mit dem Medium Farbe ins Auge. Der Vergleich mit dem „Offenlegen“ tragender Strukturelemente, der bestimmte Epochen der Architekturgeschichte kennzeichnet, ist für die Arbeiten Ji In Parks durchaus zutreffend. Farbflächen, Farbkleckse und Farbinseln stehen in Wechselwirkung zu dem monochromen Hintergrund seiner Bilder, die ihnen Tiefe verleiht und zudem auf ihre bildkompositorisch, strukturelle Bedeutung deutet. Die Form der Farbelemente wirkt dabei lebendig, ungeordnet, fast willkürlich und verweist damit auf ihre eigentliche Bedeutung innerhalb der Bildkomposition, nämlich den Farben Raum zu lassen und sie so wenig als möglich einzuengen. Dieser spezifische Umgang mit Farben, hat existentiellen Charakter und ist ein wesentlicher Aspekt in Ji In Parks Kunst. Farben bedeuten für ihn etwas Urtümliches, Unverschleiertes, etwas, das schon immer da war und daher gewissermaßen instinktive Wahrnehmungsprozesse beim Betrachter ausgräbt. Die Kohärenz dieses existentiellen Charakters verstärkt er in seinen Arbeiten zusätzlich, indem er sein eigenes Erleben, seine individuelle Wahrnehmung der Farben nicht durch Aspekte klassischer Bildkomposition, Sujets und die Arbeit an Motiven, einschränkt, sondern versucht, sie so spontan wie möglich, ungefiltert, wiederzugeben. Dies drückt sich auch in seiner Vorliebe für großflächige Bildformate aus, die ihm während des Schaffensprozesses die Möglichkeit geben, ganz in seine Bilder einzutauchen und jegliche Ablenkung durch bildkompositorische Erfordernisse und Zwänge zu vermeiden, die automatisch aufträten, wenn er während des Malens das Bild ständig als „Ganzes“ vor Augen haben würde.

Trotz dieses spontanen, intuitiven Charakters beschränken sich Ji In Parks neue Arbeiten nicht allein darauf, dem Betrachter lediglich eine Aussage über die spezifische Malweise und sein individuelles Kunstverstehen vermitteln zu wollen. Ganz im Gegenteil. Nachdem beim Betrachter der erste Eindruck der Intensität, der expressiven Offenlegung des Schaffensprozesses in den Hintergrund rückt, werden weitere Bedeutungsebenen wahrnehmbar, die sich fast hinter der Explosivität der Farben und der Spontanität der Malweise zu verbergen scheinen. So verleihen beispielsweise vereinzelte grafische Elemente dem Bildgeschehen Spannung, die kraftvoll wirkt. Gleichermaßen strahlen sie aber auch eine gewisse Ruhe, eine hypnotische Stase aus. Ebenso eröffnet sich dem Betrachter eine Art der Bildkomposition, die sich am Besten als dynamisch bezeichnen lässt. Dynamisch in dem Sinne, als dass der Betrachter das Gefühl hat, die Anordnung der Farbelemente sei nur scheinbar chaotisch und folge einem Plan, den er aktiv aufspüren könnte.
Ji In Park beschreibt das Gefühl, welches er beim Malen seiner Großformate empfindet, wie das Eintauchen in ein „großes Schwimmbad“. Wie angenehm warmes Wasser umgeben uns in seinen Arbeiten all die Farbflächen, Farbkleckse und Farbinseln und bewirken einen Zustand chaotischer Bewegung, der uns aber nicht ängstigt, sondern den wir als harmonisch empfinden. Gut, dass uns Ji In Park dabei nicht in der engen Badewanne sitzen lässt.

Tina Hudelmaier
Tina Hudelmaier